Wachstafel
Mittelalterliches Rezept mit Fetten siebzehntes Jhd.
18. 07. 2026
Reinhard Büll: Das große Buch
vom Wachs, S. 806
EIN REZEPT AUS DEM 17. JAHRHUNDERT
Die Bevorzugung der leichteren Beschreibbarkeit auf Kosten einer
besseren Haltbarkeit der Beschriftung in den Jahrhunderten, für die
die Ansicht des Aldrovandus gilt, geht auch aus einem Rezept zur
Herstellung des Schreibtafelwachses hervor, das ein Chirurgus
SCHICKETANTZ 1681 bekanntgemacht hat. Dieses Rezept — es ist
überdies sehr genau — ist das einzige, das wir kennen. Es verdient daher, festgehalten zu werden. Wir teilen es wörtlich mit.
Es wird 60 Pfund gelbes Wachs genommen, in einem grossen Kessel zusammen geschmoltzen, und nachher der Bodensatz wegen der Unreinigkeit wohl
abgezogen; alsdann wird 4 Pfund gutes Lein-Oehl gesammen, in einem besondern Kessel mit gebrannten Rockenbrod und gebrannten Rindsknochen so lange gesotten, bis alle Fettigkeit davon und solches auf die Helffte eingekocht ist, folgends wid das Wachs wieder bey gelinden Feuer geschmoltzen, dieses gereinigte Leinöhl, samt 10 Pfund reinem Bock-Talch und 32 kleinen Rußbutten darunter gethan, und fleißig durch einander gerühret, damit es sich wohl mit einander vereinige. Hierauff wird diese Mixtur durch einen Sack von neuen Beuteltuche gurchgeseiget, damit alle Unreinigkeit davon komme, alsdann wieder in einem Kessel geschmoltzen, und fein warm gemacht, dann wird die höltzerne Tafel auf einen Tisch fein wagrecht geleget, auf den höltzernen Rand und Mittelsteg um die Fache Thon geklebet, damit das Wachs nicht über und hinten in den Band lauffen könne, folgends das geschmoltzene Wachs mit einer eisernen Kelle eingegossen, und mit einem Glüenden Eisen in denen Ecken und sonst in denen eingegossenen Blättern herum gefahren, damit es sich desto besser mit dem Holtze vereinige und anklebe, und wird das Wachs etwas höher eingegossen, als der höltzerne Rand ist. Wann es nun kalt ist, wird der Thon weggenommen, und mit darzu gemachten Schab-Eisen, das überleye Wachs von den Feldern der Tafeln so lange abgezogen, bis es denen Fugen gleich wird. Folgends werden die also abgezogenen Wachs-Tafeln mit einem beinernen Poßir-Stiffte mit Mandel-Oehl wohl gerieben und zuletzt mit einem Stück Corduan wohl gesäubert, weil das Wachs kein Tuch noch Leinwand verträgt, sondern davon rauch wird.
Die Zumischung von Leinöl und Talg beweist, daß ein weiches Beschreibmaterial benutzt werden sollte. Dies ist verständlich,
wenn man erfährt, daß einerseits das Beschreiben bei der feierlichen
Benutzung dieser Tafeln an sich langwierig und mühselig und eine
Erleichterung vom Beschreibstoff her wünschenswert war und daß
andererseits die Tafeln, die eine Rechtsgrundlage von hohem Wert
darstellten, wohl verwahrt wurden, eine Beschädigung der Schrift
daher ausgeschlossen war.
18. 07. 2026
Historische Wachstafeln –
Alte Medien neu entdeckt by
F. Maruhn, K. Weirauch, E. Geidel und M. Cammarosano
Geräte:
Reibe
Mörser und Pistill
Heizplatte
Topf mit Wasserbadeinsatz
Glasstab
Holztafel
Chemikalien:
Bienenwachs
Gereinigtes Leinöl
Rindertalg
Butterschmalz
Holzkohlestaub
Vorbereitungen:
•
„Gereinigtes Leinöl“ nach Rezept aus dem 17. Jhd.: Leinöl im Supermarkt kaufen, mit Roggenbrot (Bäcker) und
Rindermarkknochen (Metzger, auch für Suppen gebräuchlich) aufkochen, abkühlen lassen und in ein geeigne-
tes Gefäß abfüllen.
•
„Rindertalg“: Vom Metzger am Stück besorgen und zuhause kochen (min. 3 h), abkühlen lassen und dann den auf-
schwimmenden festen Talg abschöpfen. Aus ca. 300 g Talg vom Metzger werden auf diese Weise ca. 60 g reiner Talg.
•
„Rußbutter“: Holzkohle mit Küchenreibe zerkleinern und anschließend mit dem Mörser weiter zerstoßen. Der Staub
wird dann mit Butterschmalz vermengt, sodass eine tiefschwarze, klebrige Masse entsteht.
Durchführung:
Zunächst werden die Mengenangaben aus dem Rezept auf Laborgröße adaptiert: Man wiegt in den Wasserbadein-
satz 30 g Bienenwachs, 2 g gereinigtes Leinöl und 5 g Rindertalg (als Ersatz für Bocktalg) ein. Dann wird ca. eine
Messerspitze Rußbutter zu den eigewogenen Zutaten gegeben und alles langsam auf dem nicht kochenden Was-
serbad erwärmt.
Unter gelegentlichem Rühren wird erwärmt bis eine homogene flüssige Masse entstanden ist. Diese wird anschlie-
ßend in die Holztafel gegossen. Vor dem Beschreiben muss die Tafel vollständig auskühlen.